Die Glocken von St. Lamberti (7)

Der 7. Teil ist der vorletzte dieses kleinen Glocken-Specials und dreht sich um die „Clemens August Graf von Galen-Glocke„. Das Beitragsbild entstammt der Seite des Bistums Münster http://www.kirchensite.de

Doch zuvor ein sehr interessanter Nachtrag:

Die Glocke auf Burg Hülshoff ist ebenfalls von Heinrich (Henricus) Caesem, welcher die  Große Katharinenglocke für St. Lamberti gegossen hat!

Diese Information gab mir freundlicherweise die Stiftung Annette von Droste zu Hülshoff. Ich hoffe, die Sturmglocke der Annette von Droste Hülshoff demnächst einmal selbst sehen zu können (und werde ggf. in diesem Blog darüber berichten).


Petit&Gebr. Edelbrock in Gescher gossen auch die Glocke Nr. 7, welche dem Seligen  Clemens August Graf von Galen gewidmet ist (2008). Die Fakten:

Gewicht: 350 kg
Durchmesser: 820mm
Schlagton: c2+7

Umschrift an der Schulter (oben): +BEATE EPISCOPE ANIMOS CIVIUM FIRMARE.
darunter (Flanke): + BEATUS CLEMENS AUGUSTUS DE GALEN – PAROCHUS OLIM SANCTI LAMBERTI – EPISCOPUS MONASTERIENSIS – CARDINALIS ROMANAE ECCLESIAE – DEO SOLI OBOEDIENTER DEVOTUS – TESTIS EVANGELII FORTISSIMUS – NEC LAUDIBUS NEC TIMORE DUCTUS – POULO PASTOR BONUS.
am Wolm (unten): PAROCHIA SANCTI LAMBERTI MONASTERIENSIS NOS FUNDI FECIT A. D. 2008 + PETIT ET FRATRES EDELBROCK [ME FECERUNT].

Geboren wird von Galen als 11. Kind am 16. März 1878 auf der Burg Dinklage, er stirbt am 22. März 1946 in Münster, kurz nach seinem 68. Geburtstag.

Nach einer Audienz bei Papst Leo XIII während einer Pilgerreise nach Rom wird ihm klar, dass seine Bestimmung das Priesteramt ist. 1933 wird er Bischof von Münster, nachdem er zuvor als Pfarrer an St. Lamberti wirkt. Seine Predigten werden nicht zuletzt dadurch berühmt, dass sie immer wieder vervielfältigt und verteilt werden – heimlich versteht sich, denn sie sprechen sich deutlich gegen die sogenannte Rassenlehre und den Massenmord an Behinderten aus.

Warum aber passierte ihm nichts, wieso wurde er nicht verhaftet?
Dies wird einhellig durch seine überaus große Popularität in der Bevölkerung erklärt.

Das Schicksal will es, dass von Galen im Februar 1946 in Rom zunächst zum Kardinal ernannt, an seinem Geburtstag zurück in Münster dann von vielen Tausenden von Gläubigen inmitten der Trümmer gefeiert wird und schließlich 6 Tage später an einem Blinddarmdurchbruch stirbt.

Am 9. Oktober 2005 erfolgt die Seligsprechung.

Kritisch gesehen wird heute die besonders zu Anfang des 2. Weltkrieges große Begeisterung von Galens für diesen Krieg, sowie die Polemik gegen das Judentum. Und obwohl er anscheinend die Alliierten selbst nach Kriegsende noch als Feinde empfindet (siehe Artikel zur Seligsprechung von Roman Heflik im Spiegel Online vom 7. Oktober 2005), schadet das alles seinem hohen Ansehen wegen seiner anderen, mutigen Worte nicht, sogar zum Ehrenbürger Münsters wird er an seinem 68. Geburtstag ernannt.

Der beliebte, nicht unumstrittene Kardinal Graf von Galen ist Namenspatron auch vieler Schulen und Gebäude (z.B. Kardinal-von-Galen-Gymnasium Münster).

Dies soll sicherlich nicht der Ort sein, um eine ausführliche Analyse der mutmaßlichen Gesinnung des Kardinals von Galen auszudiskutieren – zusammenfassend sei gesagt:

Er war, wie viele bedeutende Zeitgenoss*innen, ein „Kind“, ein „Produkt“ seiner Zeit – der Antijudaismus war traditionell tief verankert, das muss mit in die Waagschale, und als ein nationalkonservativ sozialisierter Mensch blieb ihm verborgen, was wir ausschließlich aus heutiger Retrospektive wissen können…

Dass die Nazis den Kardinal aufgrund seiner großen Beliebtheit und seines Einflusses „verschonen“ würden, konnte er zudem nicht wissen. Er nannte die Euthanasie „Mord“, und er war bereit, als Hochverräter hingerichtet zu werden (siehe z.B. ZEIT Online, Artikel „Ein Löwe für den Himmel“ von Ekkehard Klausa).

Seine Predigten bleiben also erstaunlich und ungewöhnlich in widrigen Zeiten wie damals.

Der Historiker Hubert Wolf (Universität Münster) schreibt:

Selige sind nach der Lehre der Kirche durchaus keine perfekten Menschen ohne Fehl und Tadel. Sie stehen vielmehr exemplarisch für bestimmte christliche Tugenden, für ein Handeln aus dem Glauben in einer bestimmten Situation – trotz all ihrer menschlichen Beschränktheiten.

Und das wiederum passt hervorragend zum Motto der neuen Glocken für St. Lamberti:

„Glaubenszeugen unserer Zeit“ !


 

Weitere Links:

Henning Stoffers: Bildgeschichte über die Predigten des Kardinals von Galen

Ökumenisches Heiligenlexikon: Clemens August Graf von Galen

Bistum Münster: Kirchensite, Seliger Clemens August Graf von Galen

St. Paulusdom: Seliger Clemens August Graf von Galen

Galen-Archiv Online

Glocke 1: Lambertusglocke
Glocke 2: Marienglocke
Glocke 3: Kleine Katharinenglocke
Glocke 4: Große Katharinenglocke
Glocke 5: Neue Marienglocke (Angelusglocke)
Glocke 6: Niels Stensen und Edith Stein

 

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Ein Gedanke zu “Die Glocken von St. Lamberti (7)

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