Turmstuben-Bücher Dezember 2017

Advents-Zeit in der Türmerstube. Der Kranz aus Stroh hängt am roten Bande, die Lichterkette hängt vorm Fensterchen, der papierene Schmuck hat seinen Platz gefunden, der Herrnhuter Stern ist auch bereit.

Ich kuschel mich besinnlich vor den imaginären Kamin in die reale Lammfelldecke und lese:

Jörg Hartmann:
Wilsberg. Um Kopf und Kragen.
Carlsen Verlag, 2017

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Dieses tu, Jenes lass – Türmer-Knigge!

Kein Alkoholkonsum, kein Privatbesuch von Unbefugten, kein offenes Feuer auf dem Turm – so weit, so klar. Doch was galt und gilt es sonst zu beachten? Ein Blick in die Geschichte:

Am 27. November 1770 erläßt Fürstbischof Maximilian Friedrich die „Feuer- und Brand-Lösch-Ordnung“, in der ebenfalls Direktiven für den Türmer enthalten sind. So schreibt ihm z.B. der Paragraph 26 vor: Weiterlesen

Roland Mehring, der Philosoph unter den Lamberti-Türmern

Gottfried Schäfers schreibt in „Münsters Originale. Die sich selbst ein Denkmal setzten“, Fahle Verlag, Münster 1983 (S. 102 ff.):

Seit dem 1. Oktober 1960 ist Roland Mehring der Türmer von Münster, sozusagen der Philosoph auf diesem Posten. Er grübelt dort oben über die großen Weltreligionen und beschäftigt sich mit der Astronomie. Alle paar Jahre macht er einen längeren Urlaub. Bisher zog es ihn nach Indien. Die Turmstube ist angefüllt mit einigen Büchern, einem Stuhl, einem kleinen Tisch, einer alten Couch; an der Wand hängt die Totenmaske seines Vaters.

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Blick aus dem Turmstübchen – Teil II „In der Stadt“

Was sehe ich in der Stadt allabendlich? Zu Teil 1 geht’s hier: (In der Nähe) Klick!

Ich steh‘ auf hohem Balkone am Turm, umstrichen vom schreienden Falken … Mein Blick schweift dorthin, wo die Sonne oft orange oder rosa untergeht (Kitsch as Kitsch can!) … 

Sonnenuntergang

Foto: Birgit Leimann, Münster in Bildern

Fotos vom schönen St. Paulusdom sind bei angehender Dunkelheit übrigens schwierig – nicht, weil es zu dunkel wäre, sondern im Gegenteil: ein dort drüben in seltsamem Winkel angebrachter Scheinwerfer scheint direkt in meine Richtung, und so wirkt es immer, als habe sich eine kleine, sehr hartnäckige Supernova am Dom häuslich eingerichtet …

Domplatz

Domplatz Heiligabend 2016

Der schöne charakteristische haubenlose Turm der alten Dame Liebfrauen-Überwasser steht immer vorm Sonnenuntergang und scheint mir stolz gute Nacht zu sagen. Und manchmal steht vielleicht der Küster dort oben, denn auch er liebt den Turm „seiner“ Kirche …
Momentan (2017) wird der schöne schwere Turm übrigens saniert – er ist deshalb verhüllt und eingerüstet, was mich manchmal in Versuchung bringt, den internationalen kunst-affinen Gästen meiner Stadt, die derzeit der Skulptur Projekte wegen allüberall die Öffentlichkeit bevölkern, zu verzählen, Christo gar selbst habe diese Verhüllung zur Ausstellung beigetragen…

Überwasser 2017

Überwasserkirchturm, verhüllt 2017

Die „Angst“ leuchtet ursprünglich am Rathaus in Marl (Klick!). Momentan leuchtet sie als Leih-Skulptur vom Aegidii-Markt zu Münster … 

Angst

Angst. Von Ludger Gerdes †

Im Sommer steht ab und zu ein Fischreiher an dem kleinen Gartenteich vor einem der Häuser an der Domimmunität …

Teich: oben rechts (ohne Reiher)

Teich, momentan ohne Fischreiher: oben rechts

Hinter der Apostelkirche sind die Fenster der Tibus-Residenz zu meinem Dienstbeginn noch beleuchtet, im Laufe der Nachtschicht wird es dunkler, aber manchmal blinkt eine Taschenlampe auf: Ein Winken, dass ich meinerseits mit Taschenlampenwinken erwidere, alles in Ordnung, gute Nacht!

Apostelkirche und Tibus-Residenz

Apostelkirche und Tibus-Residenz vor Sonnenuntergang…

Auch aus einem Dachgiebel im Kreuzviertel winkt mir ein Taschenlampenstrahl: Das ist sicherlich mein Vertreter, der wichtigste Mann im Hintergrund, der anstelle der Türmerin tutet und wacht, wenn diese im Urlaub weilt.

Kreuzkirche

Heilig-Kreuz-Kirche

Die Überfrau grüßt auch, allerdings ohne Latüchte, sie hebt einen Arm und Finger in meine Richtung, hinter der Brücke der Stadtbücherei stehend, vor mir hat sie aber ihre Ruhe, denn nach Osten wird bekanntlich nicht getutet …

Überfrau hinter Stadtbücherei

Stadtbücherei: Die Überfrau verbirgt sich hinter der Verbindung der beiden Gebäudeteile

Jeden Abend verfolge ich auch, was sich gegenüber der Stadtbücherei auf der Baustelle tut: Zuerst wurde das Innere des ehemaligen Pelzgeschäftes niedergerissen, ein Teil der Fassade ist denkmalgeschützt und stammt vom großen Alfred Hensen. Dass sich dort einmal ein Pelzgeschäft befunden hat, sieht man übrigens noch an einer der Säulen, die zum Lambertikirchplatz stehen: Da sind Pelztiere figürlich in Stein gehauen, Kaninchen, ein Eichhörnchen … aber ich schweife ab: Stück für Stück jedenfalls wurde das Gebäude wieder aufgebaut. Hier ein Anfangs- und ein Weit-fortgeschritten-Bild:

Juni 2016: Abriss des Inneren …

Juni 2017: Fast fertig!

Ich stehe hier am Turme, halte das Haar in den Wind und schaue noch ein bisschen über unsere schöne große kleine Stadt und passe auf, ob es brennt oder Feinde heranreiten …

Eure Türmerin.

Turmstuben-Bastelei

Statt Bücherlesen gibt’s im Dezember Basteleien in der Türmerstube!
Thema: Der Herrnhuter Stern

Die Herrnhuter Sterne werden seit 1897 in der Oberlausitz von Hand gefertigt!

Sie sind der Ursprung aller Weihnachtssterne… Erfunden von der Herrnhuter Brüdergemein(d)e – ohne „d“ stimmt’s, mehr dazu gleich…, genauer: Vermutlich von einem der dortigen Internats-Erzieher, eventuell ein Mathematiklehrer, zur Vermittlung der Geometrie erfunden und gebaut. Die Kinder sind – so erzählt man sich – zum einen begeistert, dass Mathematik so schön sein kann, und außerdem hilft Basteln gegen Heimweh…, und so basteln sie fleißig seit dem 19. Jahrhundert an jedem 1. Adventssonntag die heute so berühmten Sterne und begründen damit eine Tradition… blog_bild_herrnhuter-stern

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Nuss und Tee – ein besonderes Gipfel-, ähm, Turmtreffen!

Dieser Besuch ist gleich in mannigfaltiger Form ein ganz besonderer und beginnt mit meiner Frage:

Ich: Wann warst Du das letzte Mal auf dem Turm? – Sie: Im Jahr 1979.

Mein Gast an diesem Abend: Dorothea Linnenbrink. Zwei Stände mit Nüssen, Trockenfrüchten und Glücksklang auf unserem Wochenmarkt, die Nuss-Galerie, der Nuss-Blog und ein eigener Online-Shop, das alles ist ihr Werk, gemeinsam mit ihrem Mann Jalalledin Eshaghi hat sie eine einzigartig charmante Form der Völkerverständigung erfunden, die sie beide Brückenschlagen nennen.

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Turmstuben-Bücher Januar 2015

Neues Jahr – neue Gelegenheiten, viele viele viele Bücher zu sichten und lesen! Hier die Bücher, die im Januar mit mir in der Turmstube sind:

Isabell Richter: „Der phantasierte Tod. Bilder und Vorstellungen vom Lebensende im 19. Jahrhundert“, campus Historische Studien, Frankfurt a. M./New York 2010

Werner Holzwarth (Text) und Henning Löhlein (Illustration): „Klaoverich un Klaoverita. En Vertellsel van’t Glück“. Up Westfäölsk van Hannes Demming. Klartext-Verlag, Essen 2014

Gottfried Wolters (Hrsg.): Von Kerlen wollen wir singen. Europäische Schelmenlieder mit Klaviersätzen“. Mit Holzschnitten von Alfred Zacharias. Möseler Verlag, Wolfenbüttel 1959

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