Blick aus dem Turmstübchen – Teil II „In der Stadt“

Was sehe ich in der Stadt allabendlich? Zu Teil 1 geht’s hier: (In der Nähe) Klick!

Ich steh‘ auf hohem Balkone am Turm, umstrichen vom schreienden Falken … Mein Blick schweift dorthin, wo die Sonne oft orange oder rosa untergeht (Kitsch as Kitsch can!) … 

Sonnenuntergang

Foto: Birgit Leimann, Münster in Bildern

Fotos vom schönen St. Paulusdom sind bei angehender Dunkelheit übrigens schwierig – nicht, weil es zu dunkel wäre, sondern im Gegenteil: ein dort drüben in seltsamem Winkel angebrachter Scheinwerfer scheint direkt in meine Richtung, und so wirkt es immer, als habe sich eine kleine, sehr hartnäckige Supernova am Dom häuslich eingerichtet …

Domplatz

Domplatz Heiligabend 2016

Der schöne charakteristische haubenlose Turm der alten Dame Liebfrauen-Überwasser steht immer vorm Sonnenuntergang und scheint mir stolz gute Nacht zu sagen. Und manchmal steht vielleicht der Küster dort oben, denn auch er liebt den Turm „seiner“ Kirche …
Momentan (2017) wird der schöne schwere Turm übrigens saniert – er ist deshalb verhüllt und eingerüstet, was mich manchmal in Versuchung bringt, den internationalen kunst-affinen Gästen meiner Stadt, die derzeit der Skulptur Projekte wegen allüberall die Öffentlichkeit bevölkern, zu verzählen, Christo gar selbst habe diese Verhüllung zur Ausstellung beigetragen…

Überwasser 2017

Überwasserkirchturm, verhüllt 2017

Die „Angst“ leuchtet ursprünglich am Rathaus in Marl (Klick!). Momentan leuchtet sie als Leih-Skulptur vom Aegidii-Markt zu Münster … 

Angst

Angst. Von Ludger Gerdes †

Im Sommer steht ab und zu ein Fischreiher an dem kleinen Gartenteich vor einem der Häuser an der Domimmunität …

Teich: oben rechts (ohne Reiher)

Teich, momentan ohne Fischreiher: oben rechts

Hinter der Apostelkirche sind die Fenster der Tibus-Residenz zu meinem Dienstbeginn noch beleuchtet, im Laufe der Nachtschicht wird es dunkler, aber manchmal blinkt eine Taschenlampe auf: Ein Winken, dass ich meinerseits mit Taschenlampenwinken erwidere, alles in Ordnung, gute Nacht!

Apostelkirche und Tibus-Residenz

Apostelkirche und Tibus-Residenz vor Sonnenuntergang…

Auch aus einem Dachgiebel im Kreuzviertel winkt mir ein Taschenlampenstrahl: Das ist sicherlich mein Vertreter, der wichtigste Mann im Hintergrund, der anstelle der Türmerin tutet und wacht, wenn diese im Urlaub weilt.

Kreuzkirche

Heilig-Kreuz-Kirche

Die Überfrau grüßt auch, allerdings ohne Latüchte, sie hebt einen Arm und Finger in meine Richtung, hinter der Brücke der Stadtbücherei stehend, vor mir hat sie aber ihre Ruhe, denn nach Osten wird bekanntlich nicht getutet …

Überfrau hinter Stadtbücherei

Stadtbücherei: Die Überfrau verbirgt sich hinter der Verbindung der beiden Gebäudeteile

Jeden Abend verfolge ich auch, was sich gegenüber der Stadtbücherei auf der Baustelle tut: Zuerst wurde das Innere des ehemaligen Pelzgeschäftes niedergerissen, ein Teil der Fassade ist denkmalgeschützt und stammt vom großen Alfred Hensen. Dass sich dort einmal ein Pelzgeschäft befunden hat, sieht man übrigens noch an einer der Säulen, die zum Lambertikirchplatz stehen: Da sind Pelztiere figürlich in Stein gehauen, Kaninchen, ein Eichhörnchen … aber ich schweife ab: Stück für Stück jedenfalls wurde das Gebäude wieder aufgebaut. Hier ein Anfangs- und ein Weit-fortgeschritten-Bild:

Juni 2016: Abriss des Inneren …

Juni 2017: Fast fertig!

Ich stehe hier am Turme, halte das Haar in den Wind und schaue noch ein bisschen über unsere schöne große kleine Stadt und passe auf, ob es brennt oder Feinde heranreiten …

Eure Türmerin.

Advertisements

Zwei Nomen im Nominativ und lauter Skulpturen in Münster

Ein sehr geschätztes Familienmitglied ist fest davon überzeugt, dass da ein Fehler vorliegen müsse: zwei Nomen im Nominativ direkt nebeneinander, das gehe doch nicht, dafür gibt es doch Komposita, und die werden zusammengeschrieben im Deutschen!

Mutters Kaffee – das gehe, dabei handele es sich schließlich um eine Genitivkonstruktion (wessen Kaffee? Mutters). Aber Baum Scheibe, Zeitung Leserin, Skulptur Projekte… niemals! Und überhaupt: Solche Fantasiekonstruktionen seien eine fürchterliche Unterstützung des Einfachst-Deutsches, das weder den Dativ noch den Genitiv und schon gar nicht Kompositaregeln kennt – ja, dieser Einblick in eine typische Diskussion einer europäischen Lehrerfamilie eröffnet ganz neue Sichtweisen auf die:


Weiterlesen

Turmstubenbücher April 2017

Es ist wieder soweit: Neuer Monat, neues Lese-Glück in der Türmerstube!!!

1. Westfälische Erinnerungsorte. Sammelband. Hrsg.: Lena Krull, Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2017

2. Ich bin ein Gedicht. Visuelle Poesie und andere Experimente von Reinhard Döhl, Timm Ulrichs & S. J. Schmidt. Hrsg.: Sonja-Anna Lesniak im Auftrag der LWL- Literaturkommission für Westfalen. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2017


Weiterlesen

Das Wilsberg-Phänomen

Auch in meiner Heimat, im Lande Weitweitweg, ist Wilsberg bekannt. Und jetzt, da ich in der Wilsberg-Stadt Münster wohne und wirke, mache ich mir erstmals Gedanken um das Phänomen, das hinter den Geschichten steckt, die seit langer Zeit überregional erfolgreich sind… Das geht am besten im Gespräch mit Diesem und Jenem auf einer Kinopremiere mit der Crew!

Weiterlesen

Feurio! Türmen für Fortgeschrittene

„Türmerin entdeckt Feuer“ schlagzeilte die Zeitung und berichtete, einer Pressemeldung der Feuerwehr Münster folgend, wie ich am Montag, 11. Juli 2016, eine Qualmentwicklung genau beobachtete und den Kollegen meldete, die sich daraufhin aufmachten, um unsere Stadt zu retten – selbstverständlich erfolgreich.
Diesen Anlass möchte ich nutzen, um einen kleinen Exkurs ins Türmerische zu starten… Weiterlesen

„Mafuuk“ und die wundersame Geschichte der zwei Meldehörner

Im Juli 2016 sind die Turmstubenbücher noch im Urlaub – dafür gibt es hier eine gleichermaßen wundersame wie wahre Geschichte:

Leonhard Jansen, seines Zeichens Brandmelder der Freiwilligen Feuerwehr Klinkum, rief die Löschmannschaften mithilfe eines Meldehorns zu den Einsätzen. Wir befinden uns zu Beginn dieser Geschichte am Anfang des 20. Jahrhunderts. Es gab sogar zwei Meldehörner, eines war trichterförmig, das andere gewunden wie ein amerikanisches Bugle. Diese Hörner waren so laut, dass sie sogar moderne Vuvuzelas mit Leichtigkeit rückwärts an die Wand tuten könnten. Weiterlesen

Lupenreine Turmplauderei

Das war eine ganz besondere Interview-Situation: André Pabst alias Sprachlupe stellte mir Fragen – und zwischendurch fragte ich ihn, sozusagen ein Cross-Interview!

Wer ist André Pabst alias Sprachlupe? Ein ehemaliger Münsteraner, den die Arbeit u.a. als Dozent für deutsche Sprache in die schöne Hansestadt Hamburg geführt hat. Aber als Hamburger würde der Mann hinter dem Blog Sprachlupe sich nicht bezeichnen, obgleich er schon seit 2005 dort oben weilt und ein paar seiner Wörter schon recht hamburgisch angeschliffen klingen. Er ist und bleibt Münsteraner und ist bei jedem Besuch bei der Familie froh, seine alte Heimat wiederzusehen.

In seinem Blog geht es um das „Heute, Gestern und Morgen der deutschen Sprache.“

Weiterlesen

Turmstuben-Bücher April 2016

Zwei Bücher sind im April meine Turmstuben-Begleiter:

Marc Augé – Lob des Fahrrads. Mit Zeichnungen von Philip Waechter. Aus dem Französischen von Michael Bischoff. Erschienen bei C.H.Beck am 09.03.2016

und

Hugo von Hofmannsthal: Der Turm. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. Verlag der Bremer Presse, München 1925online ist der gesamte Text lesbar auf den Seiten von Zeno.org (Klick!)

Weiterlesen

Turmstubenbücher März 2016

Der März ist fortgeschritten, ein Buch darf noch mit hinauf in die Höhe des Lambertiturms, und das ist: Tadaaa –

Der wandernde TURM von Sergej Prokofjew – welch wunderbare, fantastische Entdeckung! Auch Elke Heidenreich freut sich: Video-Link (Klick!) Und die WELT schrob darüber.

Die Türmerin von Münster hat’s jetzt entdeckt und freut sich sehr:

Weiterlesen