Turmstubenbücher Mai 2017 – plus Veranstaltungstipp!

Der Wonnemonat Mai hat begonnen und ich nehme mir vor, zwei Bücher genau zu studieren, bis der Juni anbricht.

Und zwar:

  1. Till Lenecke: Münster – ein illustrierter Spaziergang. Deutscher Architektur Verlag, 2016

  2. Jon Fosse: Denne uforklarlege stille / Diese unerklärliche Stille. Verlag Josef Kleinheinrich, 2016

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Franz Essink. Eine Münstergeschichte!

Eine kleine Umfrage unter Freund*innen und Bekannten:

Was verbindet ihr mit dem Namen Franz Essink?“

-Ja… schon mal irgendwo gehört.

-Die Franz-Essink-Straße am Niedersachsenring.

-War das nicht eine erfundene Figur von Professor Landois?

Mein höchst subjektiver Münster-Kalender sagt mir also am 25. April: Geburtstag von Franz Essink. Ich gehe davon aus, dass es sich um eine reale Person handelt – ein Blick ins MünsterWiki (klick!) bestätigt das Geburtstdatum 25.4.1801, auch ein Todesdatum gibt es: 31.12.1871.

Franz Essink, in verschiedenen Quellen als Gelbgießer , Kupferschmied, vor allem aber als Münsteraner Original bezeichnet, ist mit 70 Jahren in Münster gestorben.

Wikipedia sagt:

„Der Gelbgießer fertigte mittels Guss in Lehm– oder seit dem 18. Jahrhundert in Sandformen kleine Gegenstände aus Messing, die danach poliert, geschliffen, abgedreht oder vergoldet wurden. Zu den typischen Erzeugnissen gehören etwa Grapen, Mörser, Schnallen, kleine Leuchter, Figuren, Beschläge, Glocken und Schellen, Armaturen für die Feuerwehren sowie Knöpfe.“

Zuerst gehe ich mit meinem Stadtführer-Freund (dem unerschöpflichen Quell münsterschen Storytellings) den angegebenen Spuren nach, die das MünsterWiki erwähnt:

Franz Essinks Grabstätte wurde 1914 wegen des Bau der Antoniuskirche an der Moltkestraße mitsamt dem Ludgeri-Aegidii-Friedhof plattgemacht und liegt heute unter dem Bürgersteig. Ein Mosaik aus dem Jahr 1958 erinnert dort an ihn.

Und richtig – das steinerne Bild im Trottoir entdecke ich auf Anhieb.

Essinkmosaik

Essink-Mosaik vor der Antoniuskirche

Man erkennt bei genauerem Betrachten einen Zylinder, einen Rechen, einen Spaten und – natürlich! – einen Regenschirm neben dem Schriftzug FRANZ ESSINK.

Mosaik 1958

Mosaik Franz Essink von 1958

Mosaik

Zylinder, Rechen, Spaten, Regenschirm

Und weiter geht’s zur Rothenburg – hier stand das Wohnhaus des ewigen Junggesellen, Nr. 42, leider (wie so vieles) durch die Bomben des II. Weltkrieges zerstört. Heute an ebenjener Stelle: Die Gaststätte Töddenhoek!

Töddenhoek an der Rothenburg

Heute Töddenhoek – früher Wohnhaus von Franz Essink, an der Rothenburg / Ecke Geisbergweg

Damit war Essink ein Nachbar des unvergleichlichen Zoogründers Professor Hermann Landois, welcher auf der Rothenburg Nr. 33/34 wohnte. Der 34 Jahre jüngere Landois gründete zur finanziellen Unterstützung des Zoos die „Abendgesellschaft Zoologischer Garten“, wo niederdeutsche (Karnevals-)Theaterstücke von Heimatdichtern aufgeführt und Lieder gesungen wurden.

Ein selbstgeschriebenes Stück von Landois hieß z.B. Der Prophet Johann von Leyden, König der Wiedertäufer, ein Vierakter (1884). Ich erinnere an dieser Stelle daran, dass Landois die Nachbildungen der Körbe in seinen Besitz brachte und fortan behauptete, er habe die Originale – dieser Mythos lebt übrigens bis heute fort…

Ein weiteres Mitglied der „Abendgesellschaft“ war der Lehrer und Schriftsteller Franz Giese – und dieser wiederum schrieb mit Unterstützung Landois‘ ein Werk über einen typischen Münsteraner Paohlbürger: Franz Essink!

Buch Titel

Frans Essink – Sin Liäwen un Driwen äs aolt Mönstersk Kind, 1875

Illustration

Buch-Illustration: Auch hier – Rechen, Spaten, Regenschirm und Zylinder!

Dieses Buch ist wunderbarerweise digitalisiert einsehbar bei der ULB Münster, HIER ist Link (klick!).

Im Vorwort steht, man solle nicht alles auf einmal lesen, sondern Stück für Stück:

Liäst nich te viel up eemaol; jedden Dag een Kapitel.

Beim LWL (klick!) heißt es übrigens:

Die Figur des o.g. Gelbgießers Franz Essing wurde durch Landois‘ Roman zum Urbild münsterischen Spießbürgertums. Die erste Fassung erschien unter dem Namen von Franz Giese bereits 1875; eine große Anzahl der Kapitel ist aber von Landois geschrieben, der denn auch mit der ihm eigenen Unbefangenheit das ganze Buch für sich usurpierte und 1881 unter seinem eigenen Namen umgearbeitet herausgab. Bei aller Würdigung der Verdienste Gieses um dies klassische Werk der niederdeutschen Literatur muß man doch zugeben, daß es erst durch Landois richtig volkstümlich geworden ist; der Anteil der Autoren an der Idee und am Stoffe läßt sich schwer feststellen. […] Der große Erfolg des Buches bewog Landois, eine ganze Reihe von weiteren Bänden zu schreiben…“ 

Ich lerne also: Franz Essink war eine höchst reale Person, die mutmaßlich besondere Charakterzüge an den Tag legte, welche sich eigneten, darüber zu schreiben – was Fakten und was Fiktion sind, lässt sich heute leider nicht mehr rekonstruieren, keiner von uns war damals dabei… (schade!). Aber einer Spur folgen, das Mosaik entdecken, und dann die Frakturschrift des Franz Giese entziffern, bei Kerzenschein, in einer lauen Turmnacht…das macht Spaß! Und im Zuge der Recherchen konnte ich feststellen, dass die Architektenfamilie Böhm aus Köln sich für die Antoniuskirche verantwortlich zeigt – aktuell auch (neben der Türmerin von Münster) zu entdecken bei DeinNRW #neuentdecken (Klick!) … aber das führt an dieser Stelle vom Hölzken aufs Stöcksken… 🙂

Auch euch viel Spaß beim Entdecken von neuen und alten Münstergeschichten wünscht euch eure Türmerin.

Sportlich, sportlich, Herr Schuhmann!

Am 24. März 1946 starb Carl Schuhmann im Alter von 77 Jahren.

Carl Schuhmann war ein gelernter Goldschmied – aber auch: der erste deutsche Olympia-Sieger. Geboren wurde er am 12. Mai 1869 in Münster; seine Eltern zogen mit ihm allerdings schon früh nach Köln, wo der Vater Kaserneninspektor war.

Ob der kleine Carl in Münster wohl mal den Türmer auf dem St. Lambertikirchturm tuten gehört hat? Z.B. 1878 (Carl war 9 Jahre alt), da wurde Joseph Buschkötter Türmer, er war derjenige, der den Neubau des Lambertiturms miterlebt hatte (und seine Ur-Enkelin lebt heute in Münster-Kinderhaus)… oder war Carl zu dem Zeitpunkt schon in Köln und hat die Domglocken gehört? Der „Dicke Pitter“ (die größte schwingende Glocke der Welt) im Kölner Dom ist jedenfalls erst nach dem I. Weltkrieg aus Thüringen gekommen…


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Vom Entdecken und Neuentdecken… und: Turmstuben-Bücher März 2017

Vorab ein Intro aus aktuellem Anlass in NRW-Sache und eigener Sache!
Habt ihr das schon entdeckt (vielleicht auf der ITB?): 

#neuentdecken

Liebe Freund*innen der gepflegten crazy Travelogie! Dein NRW stellt ungewöhnliche Menschen und Orte vor – zum Beispiel eine Multimedia-Geschichte mit der Türmerin von Münster (klick)!

Ich freue mich, wenn ihr mich und damit die lebendige Historie der türmerischen Brauchtumspflege (neu)entdeckt, mir hier oder bei Facebook schreibt, wir uns vernetzen, gegenseitig (neu)entdecken, vielleicht bloggt ihr auch oder habt einfach mal Lust, nach Münster zu kommen … lasst euch inspirieren und lasst mich teilhaben:

Denn wenn ihr hier seid, ist es großartig, wenn ihr z.B. eure Fotos mit mir und allen Münsterfans teilt – ich sag mal so: #exploremuenster !

Und nun zu den Turmstuben-Büchern des März 2017…

(Für Neuentdecker*innen: Das sind keine Rezensionen, sondern Pläne und Hoffnungen in Buchform – ich nehme jeden Monat ein, zwei, drei Werke mit in die Turmstube und kündige hier an, was ich erwarte. Voraussetzungen: Münster- und/oder Turm-Relevanz!)

Im März begeht die Welt den Internationalen Frauentag, ich nehme in diesem Bewusstsein zwei Bücher mit in die Turmstubenbücherei, die sich unterschiedlichen Frauengeschichten widmen – zum einen die (erfundene) Geschichte einer selbstbewussten Lehrerin, die einen ungewöhnlichen Weg findet, ihre ganz persönliche Polyamorie zu leben; und zum anderen die unglaubliche (aber wahre) Geschichte einer gelernten Schneiderin, die mit ungefähr 38 Jahren plötzlich Stigmata an ihrem Körper wahrnahm und bis zu ihrem Lebensende elf Jahre später bettlägerig blieb …

1. Karl Pollmann: Die Feierstunde

2. Bistum Münster (Hrsg.): Anna Katharina Emmerick Weiterlesen

Karneval in Münster – Kuriose Einblicke

Karneval in Münster – das bedeutet für mich: eine Gelegenheit zur sozialgeschichtlichen Forschung 🙂

Prinz Ingo I.

Prinz Ingo I. samt Garde – Tradition trifft Tradition auf dem St. Lambertikirchturm

Ich tauche ein in alte Ansichten, Bilder, Postkarten und Dokumente vergangener Tage. Einen kleinen Einblick in die spannenden Erkenntnisse möchte ich hier mit euch teilen.

In Münster werden vielerlei Traditionen liebevoll gepflegt und wertschätzend geachtet. Der Karneval gehört selbstverständlich zu Münster, viele begeisterte und begeisternde Menschen leben hier diese besondere Art des Brauchtums mit großer Leidenschaft. Das Klischee des sturen Westfalen ist zumindest in der närrischen Zeit ein reines Märchen 😉

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Eli und Elisabet – ein Tag, zwei Geburtstage!

Am 26. Januar vor 163 Jahren wird Eli(as) Marcus

in Münster geboren (1854).

Eli Marcus
Unter seinem eigenen Namen und dem Pseudonym Natzohme (eine Figur aus einem selbstverfassten Theaterstück) war Marcus ein umtriebiger Schriftsteller und Schauspieler in den Kreisen des berühmten Zoogründers Professor Hermann Landois (Zoologische Abendgesellschaft).


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Turmblick über Wallhecken: 20. Januar

20. Januar 1911:

Thomas Mann (1875 – 1955) liest in Münster im Realgymnasium am Syndikatplatz aus seinem Lustspiel in Romanform „Königliche Hoheit“.

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Münster ist die letzte Station von Manns Lesereise mit diesem Werk über Außenseitertum am Vorabend des Ersten Weltkriegs – deutscher Prinz trifft amerikanische Milliardärstochter.

Der Schriftsteller und Buchhändler Matthias Engels hat einen eigenen Roman geschrieben über diesen Besuch Thomas Manns in Münster: Mann im Schatten – mehr dazu auf seinem Blog Dingfest, Klick!

Mit der Lambertikirche auf dem Cover! 🙂

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Und schon hat die Türmerin wieder zwei Bücher auf der To-Read-Liste!