Die Erinnerung bleibt

Kurz vor Weihnachten 2013 gab es in den Westfälischen Nachrichten einen schönen Abschiedsartikel für Wolfram Schulze, meinen Vorgänger, der zum Jahresende in Rente ging. Darin beschreibt er noch mal seinen Dienst als Türmer, was sich alles verändert hat mit den Jahren, und auch der unvergleichliche Ausblick wird mehrfach erwähnt – während der Advents- und Weihnachtszeit ist es auch wirklich magisch:

Lichtermarkt

Lichtermarkt St. Lamberti

Überschrieben war der Artikel mit Der Türmer geht in Rente. 300 Stufen in vier Minuten“ (Klick!) – wahrlich sportlich!

Ein Leserbrief greift diesen Artikel auf:

Lambertikirchturm
Erinnerung bleibt
Zum Bericht „300 Stufen in vier Minuten“ vom 24. Dezember:

Anfang der 50er Jahre hatte ich dieses doch seltene Glück, zum Türmer von St. Lamberti aufsteigen zu können, die Wiedertäuferkäfige greifbar nahe.
Der Prinzipalmarkt, traurig anzusehen, was der Krieg ihm angetan hat.
Diese Möglichkeit hatte ich durch meinen Vater, der tätig war als Feuerwehrmann bei der Berufsfeuerwehr Münster.
Noch heute, nach mehr als sechs Jahrzehnten, geht mein Blick nach oben zur St. Lambertikirche.
“Da bist du schon als Kind gewesen.“ Die Erinnerung bleibt.

Die Leserbriefschreiberin Annemarie Steding aus Gelmer habe ich nun während zwei Infoveranstaltungen zum Türmer-Brauchtum kennengelernt, und beim zweiten Treffen gab sie mir den oben zitierten Text in Kopie – vielen Dank und herzliche Grüße an dieser Stelle aus der Höhe von St. Lamberti Türmerstube!

Wenn ich heute über den Prinzipalmarkt blicke, kann ich es gar nicht fassen, wie vollkommen zerstört das alles da unten am Ende des Zweiten Weltkrieges gewesen ist.

Der Türmer in den 50er Jahren, als Frau Steding mit ihrem Vater oben war, war vermutlich Karl Greuling, den ich als „Karl, den Ersten“ hier erwähnt habe (Klick!), oder sein (leider namenloser) Vertreter.

Türmer Karl Greuling hat den Wiederaufbau rund um St. Lamberti aus erster Reihe mit angesehen.

Im Stadtmuseum Münster zeigt ein Teil der Dauerausstellung ebenfalls Ansichten aus der Zeit nach dem Krieg, auch bewegte Bilder, aus der St. Lamberti-Perspektive – sehr berührend!

Link zum Stadtmuseum und den 33 Kabinetten zur Stadtgeschichte Münsters: Klick!

Wer die Gelegenheit hat, das Stadtmuseum zu besuchen, sollte sich diese ganz spezielle Münstergeschichte anschauen, der Besuch ist kostenlos. #Münstertipp

Auch in der Universitäts- und Landesbibliothek Münster (ULB) gibt es Zeugnisse aus der Zeit, da der Türmer von St. Lamberti über den zerbombten Prinzipalmarkt blickte und sich wahrscheinlich nicht vorstellen konnte, wie schön es Jahrzehnte später wieder aussehen würde.

Der Nachlass des Fotografen Carl Pohlschmidt (Klick!) etwa enthält Fotos von St. Lamberti mit zerstörtem Dach und man sieht: auch die Ebene der Täuferkörbe war ramponiert – dort klaffte ein großes Loch. Später sollte es wieder aufgemauert werden, der Sandstein war zunächst sehr hell und dunkelte erst später nach, das zeigt auch die Postkarte aus der Bildgeschichte um St. Lamberti bei Henning Stoffers:

Siehe dazu: Henning Stoffers, https://www.sto-ms.de/bildgeschichte/st-lamberti-turmgeschichten/

Foto: Postkartenansicht auf der Homepage von Henning Stoffers, https://www.sto-ms.de/bildgeschichte/st-lamberti-turmgeschichten/

Heute sieht man von außen keinen Unterschied mehr an den Steinen des Maßwerks, aber von innen ließ man die restaurierte Säule ohne Schmuck, einfach verputzt.

Jedesmal, wenn ich Menschen begegne, die „mein“ schönes Münster so kaputt und voller Schutt und Leid gesehen haben, bin ich tief berührt. Wer es nicht weiß, würde nicht vermuten, wie es hier einmal ausgesehen hat.

Umso wichtiger, diese Erinnerungen aufzuschreiben, weiterzuerzählen, uns Nachgeborenen zur Information und zur Mahnung: Nie wieder Krieg!

… apropos: 2018 jährt sich der Westfälische Frieden von 1648 zum 370. Mal … und Münster empfängt Katholik*innen aus aller Welt zum Katholikentag mit dem Motto: „Suche Frieden“ … stay tuned 😉

 

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