Was? Wo? Wer? Warum?

Was?

Es geht hier um die Türmerin – die erste Frau in einer absoluten Männerdomäne, und um eines der ältesten Ämter Europas (ca. 14. Jahrhundert). Das Amt ist städtisch – nicht kirchlich. Arbeitgeber ist Münster Marketing.

Was genau macht eine Türmerin im Jahr 2014 f. ?  Im Prinzip das Gleiche wie im ausgehenden Mittelalter: Nach Feuern Ausschau halten, ein wachsames Auge auf mögliche Verbrechen haben, bei Gefahr die Feuerwehr verständigen, und halbstündlich ein Zeitsignal blasen (Fachwort: „Tuten“). Zwischen 21:00 Uhr und 24:00 Uhr hört man weit über die Innenstadtringe hinweg nach dem vertrauten Kirchengeläut tiefe, Nebelhorn-artige Töne, die signalisieren, dass alles weitgehend friedlich ist im Blickfeld um St. Lamberti herum, außerdem wird die Ratsglocke bei der Oberbürgermeisterwahl angeschlagen („gebeiert“).
Zum genauen Prozedere der Aufgaben der städtischen Türmerin von Münster und weiteren zugehörigen Stichworten wie „Goethes Totentanz„, „Zahlenmystik beim Tuten“ usw. folgen weitere Beiträge.

Wo?

In Münster, Westfalen wird es schon vor dem 14. Jahrhundert einen Turmwächter gegeben haben, urkundlich ist ein solcher „torenhoder“ erstmals 1383 verzeichnet (Quelle: Stadtarchivar Joseph Prinz; die Urkunde, die Prinz als Beleg anführt, ist überliefert im ehemaligen Staatsarchiv Münster, heute Landesarchiv NRW, Abt. Westfalen, Alter Dom Urk. Nr. 65). Das Dienstzimmer befindet sich auf dem Kirchturm von St. Lamberti, Prinzipalmarkt.

Wer?

Am 1.1.2014 hat dieses alte Amt Martje Saljé  von ihrem Vorgänger Wolfram Schulze übernommen. Sie bloggt hier persönlich vom Turm über das Leben – weniger als „lebendige Touristenattraktion“, als vielmehr als Bewahrerin und Pflegerin des jahrhundertealten Brauchtums! – und nächtliche Wächterin auf dem einsamen Lambertus. Erfahren Sie also hier alles über die Hintergründe des Türmerwesens zu Münster und spannende Anekdoten aus dem aktuellen Türmerinnenalltag.

Warum?

Weil keine Privatbesuche und Touristenführungen auf den Turm möglich sind, gibt es nur mehr den virtuellen Weg, die Öffentlichkeit am „höchsten Amt Münsters“ teilhaben zu lassen! Auch bietet dieses Weblog Journalisten und Pressevertretern einen weiteren Anhaltspunkt, die Türmerin im Dienste, in ihrem „natürlichen Biotop“, kennenzulernen – ganz ohne 300 Stufen erklimmen zu müssen.

Fragen, Kritik, Anregungen… sind gerne gesehen, bitte nutzen Sie hierfür die Mail-Funktion (tuermerin@muenster.de) oder hinterlassen Sie einen Kommentar.

31 Gedanken zu “Was? Wo? Wer? Warum?

  1. Hallo Martje,
    ich habe heute in der November-Ausgabe des Alverde-Magazins über dich gelesen und war sofort begeistert!
    Natürlich muste ich als Blogger gleich mal bei der „Kollegin“ vorbeischauen.
    Liest sich alles sehr spannend bei dir … Ich werde sicher öfter vorbeischauen!
    Dir eine gute Zeit auf deinem Turm und liebe Grüße
    Uwe

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  2. Hallo, auf der Suche nach einem Namen für unsere Tochter sind wir irgendwann bei Martje hängen geblieben. Bei der Googlerecherche über den Namen bin ich dann über sie und Ihren Beruf „gestolpert“ . Dies war das Zünglein an der Waage, ich habe mir gedacht, wer mit diesem Namen Türmerin werden kann,der kann in seinem Leben alles werden. Vielen Dank für die Inspiration und
    Guten Rutsch.

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  3. Hallo, Türmerin,
    bitte verraten Sie uns Zugezogenen, ob Sie – für den Fall von Krankheit, Urlaub oder Streik – eine/n Vertreter/in haben?
    Allzeit gute Luft, innen und außen!
    Erhard

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    • Lieber Erhard – ja, in der Tat gibt es einen Vertreter, der mich vertritt – der wichtigste Mann im Hintergrund macht dies schon seit vielen Jahren und ist äußerst zuverlässig. Die Türmerin von Münster ist ja im Öffentlichen Dienst angestellt und hat daher auch mal Urlaub 🙂 Viele Grüße! Türmerin Martje Saljé

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  4. Hallo Martje, hab gelesen, dass du vor allem gern deine Zeit im Turm mit lesen verbringst. Welches Buch liest Du denn gerade?
    Lg aus der Ludgeristraße (:
    André

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  5. Hi Maddie,
    ich wünsche Dir viel Erfolg und viel Spaß in Deinem neuen Beruf. Irgendwie überrascht mich die ‚ungewöhnliche‘ Berufswahl nicht wirklich. 🙂

    Viele liebe Grüße,
    Mirco

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  6. Wo gibt es noch weitere Türmerinnen? In Krakau St. Marien tun den Dienst des Wachens und (allerdings sehr melodiösen) Tutens die Jungs von der Feuerwehr in 24stündigem Turnus – ich nehme an, es ist noch so wie 1968, als ich oben war, nachdem ich den Wachwechsel unten um 7.00 Uhr früh abgefangen hatte. Viel Glück auf St. Lamberti!
    Gisela

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    • Hallo Gisela! Weibliche Türmerinnen gibt es in Lübben und Bad Wimpfen, eine Türmerfamilie lebt in Annaberg-Buchholz, einige weitere männliche Kollegen habe ich in Hamburg, Nördlingen, Lausanne… wobei das Besondere an Münster ja die ausdrückliche Ansiedlung im Öffentlichen Dienst ist (im Unterschied zum Ehrenamt), und dass die Kirche der Stadt das Privileg der Rats- und Brandglocke und der Türmerstube auf ihrem Turme einräumt.
      Zu den anderen Türmerinnen und Türmern Europas wird es auf diesem Blog weitere Beiträge geben – Krakau möchte ich auch gerne mal besuchen… und dann schreibe ich drüber- stay tuned 😉 Viele Grüße MARTJE SALJE

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  7. Bin von meiner Schwester, begeisterte Muensteranerin, hierauf aufmerksam gemacht worden. Wirklich tolle Sache. „Toren“ ist das hollaendische Wort fuer Turm und „hoder“ kommt dem Deutschen „Hueter“ und dem Hollaendischen „hoeder“ sehr gleich.

    Da werden sich die vielen Hollaender, die Muenster ja immer mehr entdecken, sicherlich auch freuen:-))

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