Die Glocken von St. Lamberti, Münster (3)

Die Glocken von St. Lamberti, Teil 3: Die kleine Katharinenglocke.

Durchmesser: 90 cm.
Gewicht: 450 kg.
Ton: as’+7
Umschrift: † Gaudia diuina tu posce famulis katharina o rex glorie veni cum pace anno milleno quadringeno. nonageno et septem adiunctis post christi natiuitatis.

Übersetzung in etwa: Himmlische Freuden erflehe deinen Dienern, Katharina. O König der Herrlichkeit, komm mit deinem Frieden. Im Jahre 1497 nach Christi Geburt.

Es fehlt der Name des Meisters – Geisberg (1942) schreibt:

Gerhard de Wou (…) der sich gewiß in der Umschrift genannt hätte. (…) Meine Zuschreibung (…) an den Glockengießer Wolter Westerhuis in Münster (…) ist mir zweifelhaft geworden. Eher dürfte Johann von Dortmund (…) der Gießer sein.

Dieser Johann von Dortmund nannte sich auch Johann von Tremoniae (Tremonia = Dortmund) und hat unter Anderem ca. 1483 die Marienglocke von St. Vinzentius in Harpen geschaffen.

Wer ist diese Katharina, unter deren Name diese kleine Glocke erklingt?

Die Attribute der Heiligen Katharina von Alexandria sind: zerbrochenes Rad, Buch, Schwert, und/oder Krone. Sie gilt als Märtyrerin und wird als Nothelferin angerufen – ihre Herkunft und ihr Leben sind nicht historisch belegbar, aber die Legenden um ihre Person und ihr Wirken sind lebendig wie eh und je. Das Ökumenische Heiligenlexikon schreibt:

Zunächst entstand die Leidensgeschichte, die starke Verbreitung erfuhr; von ihr ausgehend erfolgte dann weitere Ausschmückung und im 12. bis 15. Jahrhundert wachsende Legendenbildung.“

Der Legende nach bekannten sich nach ihren klugen Argumenten 50 der besten Philosophen von Alexandria und viele weitere Menschen zum Christentum – daraufhin ließ der Kaiser sie foltern (das Rad zerbrach) und enthaupten (aus der Wunde strömte Milch), die Engel trugen sie zum Berg Sinai, und das dortige Kloster wurde nach ihr benannt.
Die Katharinenschwestern nennen ihre Schutzpatronin eine der „drei heiligen Madl’n“, denn der Volksmund sagt:

Margarethe mit dem Wurm, Barbara mit dem Turm,
Katharina mit dem Radl. Das sind die drei heiligen Madl“
.

Eine starke Heilige also – und zum Geläut von St. Lamberti sind zwei Glocken nach ihr benannt, aus dem Jahr 1617 stammt die Große Katharinenglocke, die im nächsten (vierten) Teil des Glocken-Specials dieses Blogs genauer betrachtet wird – oder ist es hier die Heilige Katharina von Siena? Mehr dazu demnächst auf dem Türmerin-von-Münster-Blog!


 

Meine weiteren Quellen zu den Glocken von St. Lamberti: Schwelings Bericht für die Inventarisation 1854 und für den Bischof 1863, Sonntagsblatt für katholische Christen 1881, W. M. 3, 4 und 30. XII. 1896. Siehe: Geisberg Bd. VI, S. 131f.

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