Turmstuben-Bücher Dezember 2017

Advents-Zeit in der Türmerstube. Der Kranz aus Stroh hängt am roten Bande, die Lichterkette hängt vorm Fensterchen, der papierene Schmuck hat seinen Platz gefunden, der Herrnhuter Stern ist auch bereit.

Ich kuschel mich besinnlich vor den imaginären Kamin in die reale Lammfelldecke und lese:

Jörg Hartmann:
Wilsberg. Um Kopf und Kragen.
Carlsen Verlag, 2017

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Der Jenaer Fenstersturz – ein Dichter und das Weltenende

Am 22. November 1805 stürzt sich ein hochbegabter und gefeierter, gleichermaßen aber offenbar tieftrauriger junger Mann aus Münster aus einem Fenster in der fernen Stadt Jena.

Wer war dieser Mann? Warum verließ er Münster, welche Verbindungen hatte er hier? Welche Spuren hinterließ er? Weiterlesen

Volkstrauertag

Volkstrauertag, zwei Sonntage vor dem Ersten Advent, seit 1952, ein sogenannter stiller Tag.
Zum Gedenken an die Kriegstoten und Gewaltherrschaftsopfer aller Nationen.

Auch im Jahr 2017 ein Thema, das nicht im reinen Gedenken an ferne Zeiten, sondern durch Kriege und Gewalt leider aktuell und präsent ist in unserer Welt und Gegenwart. 

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Martinstag in Münster

Mein Opa hieß Martin. Opa Martin war Geschichtslehrer und vermochte es, so anschaulich zu erzählen, dass man meinte, er sei bei allen historischen Highlights und Lowlights in persona zugegen gewesen. Nicht alles, was er erzählte, ist wissenschaftlich haltbar, es war auch immer allerlei äußerst unterhaltsames Seemannsgarn dabei, bei vielem bin ich mir bis heute – trotz eigenem Geschichtsstudium – gar nicht sicher, ob es so war, wie er berichtete, oder doch völlig anders, so gut klang es, wenn Opa Martin erzählte.

Heute sitze ich auf dem Turm von St. Lamberti, führe eine jahrhundertealte Tradition fort, und denke an Opa Martin, und dass er sicherlich noch einige Anekdoten zum Münsterland beisteuern könnte, wenn er noch unter uns weilte. Weiterlesen

Du meine Stadt, mein Münster

Münster ist gleichermaßen reich an Traditionen wie an musischer Kreativität – und hier folgt ein kleiner thematisch passender Gruß, bevor die Türmerin ihren Kurz-Urlaub antritt und der wichtigste Mann im Hintergrund, der Vertretungstürmer, das Horn übernimmt:

Du meine Stadt, mein Münster, du singst dir selbst dein Lied!

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Dieses tu, Jenes lass – Türmer-Knigge!

Kein Alkoholkonsum, kein Privatbesuch von Unbefugten, kein offenes Feuer auf dem Turm – so weit, so klar. Doch was galt und gilt es sonst zu beachten? Ein Blick in die Geschichte:

Am 27. November 1770 erläßt Fürstbischof Maximilian Friedrich die „Feuer- und Brand-Lösch-Ordnung“, in der ebenfalls Direktiven für den Türmer enthalten sind. So schreibt ihm z.B. der Paragraph 26 vor: Weiterlesen

Turmstuben-Bücher September 2017

Die Turmstuben-Bücher des Monats September sind wieder ein Strauß Buntes mit Münster-Relevanz, St. Lamberti kommt in allen drei aktuellen Büchern vor – vielleicht weckt das eine oder andere ja auch euer Interesse:

  1. Antje Roggenkamp (Hrsg.): Reformatorische Stationen: Münster und „Umgebung“. Reale und virtuelle Streifzüge.

  2. Jürgen Schmitter: Der zweifache Exodus des Heinrich Krechting aus Schöppingen im Münsterland zu Beginn der Reformation

  3. Steffanie Reimann: Münster Guide. Die schönsten Ecken der Westfalenmetropole (E-Book)

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Türmerin zu Gast in … Wittenberg! Mein Best-Of

Bei jeder türmerischen Reise werden sofort Vergleiche angestellt: Was sieht man? Was gibt es? Was ist los? Was hat Münster auch? Oder was haben wir nicht? – Fragen über Fragen!

Eines steht fest: Die Wittenberg-Reise war grandios – was einerseits am weltbesten Reisebegleiter liegt, und darüberhinaus natürlich an der sehr gastfreundlichen Stadt und ihrer Geschichte; sogar eine richtige Türmerin gab es in Wittenberg! Und das ist schließlich immer eine gute Sache 🙂


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Blick aus dem Turmstübchen – Teil II „In der Stadt“

Was sehe ich in der Stadt allabendlich? Zu Teil 1 geht’s hier: (In der Nähe) Klick!

Ich steh‘ auf hohem Balkone am Turm, umstrichen vom schreienden Falken … Mein Blick schweift dorthin, wo die Sonne oft orange oder rosa untergeht (Kitsch as Kitsch can!) … 

Sonnenuntergang

Foto: Birgit Leimann, Münster in Bildern

Fotos vom schönen St. Paulusdom sind bei angehender Dunkelheit übrigens schwierig – nicht, weil es zu dunkel wäre, sondern im Gegenteil: ein dort drüben in seltsamem Winkel angebrachter Scheinwerfer scheint direkt in meine Richtung, und so wirkt es immer, als habe sich eine kleine, sehr hartnäckige Supernova am Dom häuslich eingerichtet …

Domplatz

Domplatz Heiligabend 2016

Der schöne charakteristische haubenlose Turm der alten Dame Liebfrauen-Überwasser steht immer vorm Sonnenuntergang und scheint mir stolz gute Nacht zu sagen. Und manchmal steht vielleicht der Küster dort oben, denn auch er liebt den Turm „seiner“ Kirche …
Momentan (2017) wird der schöne schwere Turm übrigens saniert – er ist deshalb verhüllt und eingerüstet, was mich manchmal in Versuchung bringt, den internationalen kunst-affinen Gästen meiner Stadt, die derzeit der Skulptur Projekte wegen allüberall die Öffentlichkeit bevölkern, zu verzählen, Christo gar selbst habe diese Verhüllung zur Ausstellung beigetragen…

Überwasser 2017

Überwasserkirchturm, verhüllt 2017

Die „Angst“ leuchtet ursprünglich am Rathaus in Marl (Klick!). Momentan leuchtet sie als Leih-Skulptur vom Aegidii-Markt zu Münster … 

Angst

Angst. Von Ludger Gerdes †

Im Sommer steht ab und zu ein Fischreiher an dem kleinen Gartenteich vor einem der Häuser an der Domimmunität …

Teich: oben rechts (ohne Reiher)

Teich, momentan ohne Fischreiher: oben rechts

Hinter der Apostelkirche sind die Fenster der Tibus-Residenz zu meinem Dienstbeginn noch beleuchtet, im Laufe der Nachtschicht wird es dunkler, aber manchmal blinkt eine Taschenlampe auf: Ein Winken, dass ich meinerseits mit Taschenlampenwinken erwidere, alles in Ordnung, gute Nacht!

Apostelkirche und Tibus-Residenz

Apostelkirche und Tibus-Residenz vor Sonnenuntergang…

Auch aus einem Dachgiebel im Kreuzviertel winkt mir ein Taschenlampenstrahl: Das ist sicherlich mein Vertreter, der wichtigste Mann im Hintergrund, der anstelle der Türmerin tutet und wacht, wenn diese im Urlaub weilt.

Kreuzkirche

Heilig-Kreuz-Kirche

Die Überfrau grüßt auch, allerdings ohne Latüchte, sie hebt einen Arm und Finger in meine Richtung, hinter der Brücke der Stadtbücherei stehend, vor mir hat sie aber ihre Ruhe, denn nach Osten wird bekanntlich nicht getutet …

Überfrau hinter Stadtbücherei

Stadtbücherei: Die Überfrau verbirgt sich hinter der Verbindung der beiden Gebäudeteile

Jeden Abend verfolge ich auch, was sich gegenüber der Stadtbücherei auf der Baustelle tut: Zuerst wurde das Innere des ehemaligen Pelzgeschäftes niedergerissen, ein Teil der Fassade ist denkmalgeschützt und stammt vom großen Alfred Hensen. Dass sich dort einmal ein Pelzgeschäft befunden hat, sieht man übrigens noch an einer der Säulen, die zum Lambertikirchplatz stehen: Da sind Pelztiere figürlich in Stein gehauen, Kaninchen, ein Eichhörnchen … aber ich schweife ab: Stück für Stück jedenfalls wurde das Gebäude wieder aufgebaut. Hier ein Anfangs- und ein Weit-fortgeschritten-Bild:

Juni 2016: Abriss des Inneren …

Juni 2017: Fast fertig!

Ich stehe hier am Turme, halte das Haar in den Wind und schaue noch ein bisschen über unsere schöne große kleine Stadt und passe auf, ob es brennt oder Feinde heranreiten …

Eure Türmerin.