Von Bränden und Pfeifern

Anlässlich der Kleinen Brandprozession wurden die Rathaus- und die Stadtfahne gehisst.

Die Kleine Brandprozession ist nicht zu verwechseln mit der Großen Prozession; letztere bezieht sich auf die Pest- (1382) und Brand-(1383)Katastrophen, bei der auch Münsters Turmwächter auf St. Lamberti vermutlich zum ersten Mal schriftlich erwähnt worden sind.

Der Anlass der Kleinen Brandprozession dagegen findet sich im 18. Jahrhundert:


Im Jahr 1744 sei am Alten Steinweg ein Brand ausgebrochen, der im Lamberti-Viertel verheerenden Schaden anrichtete. Nur der einsetzende Regen bewahrte die Lamberti-Kirche vor der Vernichtung – so beschreibt es die St. Lamberti-Homepage (klick!).

Heutzutage wird bei dieser Prozession Gottes Segen für ein friedliches und gedeihliches Zusammenleben in dieser Stadt erbeten.

Als Türmerin fragt man sich sogleich: Wer hat wohl damals (1744) die Brandglocke geschlagen? Wer fürchtete mutmaßlich um sein eigenes Leben mit Blick auf das brennende Viertel?

Es gibt verschiedene Quellen, die den Schluss nahelegen, es sei einer der Heumanns gewesen, die sich uneinheitlich mit einem oder zwei „n“ schreiben – wahrscheinlich war es Johann Jacob Heumann, über den es heißt:

Er solle auf Beschluss des Stadtrates seinem 1702 verstorbenen Vater nachfolgen – jedoch zuerst sein Musikstudium abschließen.

Schon Vater Heumann wird als Turmbläser und Stadtmusikus geführt. Im 18. Jahrhundert sind einige Heumanns verzeichnet, die sich sowohl als Türmer wie auch als Stadtmusikanten verdingten – die beiden Begriffe möchte ich kurz erklären:

Vor Allem im 17. und 18. Jahrhundert waren Türmer und Stadtmusikanten (oder -pfeifer) unterschiedliche Personen – denn Türmer konnte auch werden, wer nicht das sogenannte Clarinblasen beherrschte (die hohe Lage der Naturtrompete). Türmer und Stadtpfeifer teilten sich also den Platz und die Aufgaben auf dem Turm: Der erste hatte die Wacht über Feuer und Kriegsfeinde und blies seine (ein-tönigen) Signale, der zweite war für das sogenannte Abblasen (=Stundenblasen zu bestimmten, festgelegten Zeiten) zuständig.

Ausschließlich Musikanten, die die offizielle Spielmannsagraffe der Stadt trugen (eine Schmuck-Schließe, um Kleidungsstücke zusammenzuhalten), durften öffentlich Musik machen, und auch die Zeiträume waren meistens genau festgelegt.

Ein münsterischer Karnevalsverein hat übrigens 2007 seinen Orden nach dem Vorbild einer erhaltenen Spielmannsagraffe aus dem Jahr 1606 anfertigen lassen: zum 175. Jubiläum der KG Freudenthal.

Und bevor wir damit vom Hölzken aufs Stöcksken und von einer Tradition zur nächsten springen wünsche ich allen geneigten Leser*innen meines Blogs allseits friedliches und gedeihliches Zusammenleben! 😉


Quellen (Auszug):

Ralf Klötzer, Häuserbuch der Stadt Münster. Band 2. Drubbel, Roggenmarkt, Alter Fischmarkt. Münster 2009

Walter Werland, Münster – so wie es war. Droste Verlag, Düsseldorf 1970

 

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