Vom Entdecken und Neuentdecken… und: Turmstuben-Bücher März 2017

Vorab ein Intro aus aktuellem Anlass in NRW-Sache und eigener Sache!
Habt ihr das schon entdeckt (vielleicht auf der ITB?): 

#neuentdecken

Liebe Freund*innen der gepflegten crazy Travelogie! Dein NRW stellt ungewöhnliche Menschen und Orte vor – zum Beispiel eine Multimedia-Geschichte mit der Türmerin von Münster (klick)!

Ich freue mich, wenn ihr mich und damit die lebendige Historie der türmerischen Brauchtumspflege (neu)entdeckt, mir hier oder bei Facebook schreibt, wir uns vernetzen, gegenseitig (neu)entdecken, vielleicht bloggt ihr auch oder habt einfach mal Lust, nach Münster zu kommen … lasst euch inspirieren und lasst mich teilhaben:

Denn wenn ihr hier seid, ist es großartig, wenn ihr z.B. eure Fotos mit mir und allen Münsterfans teilt – ich sag mal so: #exploremuenster !

Und nun zu den Turmstuben-Büchern des März 2017…

(Für Neuentdecker*innen: Das sind keine Rezensionen, sondern Pläne und Hoffnungen in Buchform – ich nehme jeden Monat ein, zwei, drei Werke mit in die Turmstube und kündige hier an, was ich erwarte. Voraussetzungen: Münster- und/oder Turm-Relevanz!)

Im März begeht die Welt den Internationalen Frauentag, ich nehme in diesem Bewusstsein zwei Bücher mit in die Turmstubenbücherei, die sich unterschiedlichen Frauengeschichten widmen – zum einen die (erfundene) Geschichte einer selbstbewussten Lehrerin, die einen ungewöhnlichen Weg findet, ihre ganz persönliche Polyamorie zu leben; und zum anderen die unglaubliche (aber wahre) Geschichte einer gelernten Schneiderin, die mit ungefähr 38 Jahren plötzlich Stigmata an ihrem Körper wahrnahm und bis zu ihrem Lebensende elf Jahre später bettlägerig blieb …

1. Karl Pollmann: Die Feierstunde

2. Bistum Münster (Hrsg.): Anna Katharina Emmerick

Karl Pollmann: Die Feierstunde. Eine Liebesgeschichte. Westfälische Reihe, Münster 2016

Manchmal gebe ich Romanen, Belletristik, Fiktion ja eine Chance, obschon mein Herz stärker für Biografien und Lyrik schlägt, und in diesem Fall verspricht es ein kurzweiliges Vergnügen zu werden:

Der Autor Karl Pollmann lebte, studierte und arbeitete in exotischen Teilen dieser Welt, außer in Münster nämlich u.a. in Bayern und Schweden. Er war Lehrer am Abendgymnasium Münster und deshalb vermute ich in der fiktionalen Geschichte um seine Protagonistin – eine Lehrerin, die ans Abendgymnasium Münster wechselt – auch die Verarbeitung eigener Erfahrungen.

Ein weiteres Schlagwort der Beschreibung heißt Polyamorie – Julia, die Hauptperson, ist glücklich verheiratet, hat zwei Kinder, und lässt sich auf eine Liebesbeziehung mit einem ihrer Abendgymnasiasten ein – das Thema Polyamorie wird gerade (wieder) diskutiert, u.a. im aktuellen SPIEGEL Nr. 10 („Zeitgeist. Die endgültige Emanzipation“), mal schauen, wie Karl Pollmann’s Geschichte ausgeht…

Die Schauplätze dieser Geschichte sind übrigens uns Münsteraner*innen wohlbekannt: Das Halbe-Hahn-Paradies Nordstern oder auch das Marktcafé, dort lauschen Pollmanns Figuren der Türmerin:

„Jetzt können sie wieder das Abendlicht bewundern und dazu bläst die Türmerin auf Sankt Lamberti nach den Glockenschlägen um neun Uhr neun Mal mit ihrem Horn in alle Himmelsrichtungen, außer nach Osten, denn damit würde sie ja unserem Herrgott die Zeit vorgeben.“

Diese schöne Formulierung auf S. 76 entdeckte ich beim Durchblättern – ein neues Turmstubenbuch wird nämlich ritualmäßig, so es denn in physischer Form vorliegt, zuerst beschnüffelt, dann vor dem genauen Lesen schnell durchgeblättert, wobei das Turmfalkenauge auf bestimmte Schlagwörter reagiert: Turm, Türmerin, Münster, Lamberti… – diese schöne Formulierung also, und die Aufnahme des traditionellen Tutens als Lokalkolorit-Gewürz, stimmen mich fröhlich und sind eine Ehre, für die ich mich an dieser Stelle bei Karl Pollmann bedanken möchte.


Das zweite Turmstubenbuch des Monats:

Bistum Münster (Hrsg.): Anna Katharina Emmerick, Dialogverlag Münster, 2004

Die 2004 durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochene Anna Katharina Emmerick begegnet uns in Münster zum Beispiel hier: im Kreuzweg des Chorumgangs im St. Paulusdom, oder außen bei der Domkammer als Part der Kreuzigungsgruppe (beide Darstellungen sind von Bert Gerresheim).

Gerresheim-Kreuzigungsgruppe am Dom zu Münster

Kreuzigungsgruppe am Dom (Part): Schwester Maria Euthymia und Anna Katharina Emmerick

Das, was wir bei Stadtführungen erfahren, lässt aufhorchen: Sie wurde 1774 bei Coesfeld geboren und hatte eine schwere Kindheit, geprägt von viel Arbeit, lernte das Näh-Handwerk, ging in ein Kloster, dieses wurde aufgelöst, dann hatte sie plötzlich Wundmale, die an die Wunden des gekreuzigten Jesus Christus erinnerten… Sie starb mit 49, nach Jahren der Bettlägerigkeit.

Clemens Brentano – seines Zeichens hochromantischer Lyriker und Sammler des deutschen Volksliedgutes („Des Knaben Wunderhorn“) – hat fünf Jahre lang immer wieder am Krankenbett der Anna Katharina gesessen und ihre mystischen Visionen literarisch verarbeitet: „Das bittere Leiden unsers Hernn Jesu Christi“ war auch Vorlage für den Mel-Gibson-Film „Die Passion Christi“ (2004).

Doch nicht Brentano möchte ich jetzt lesen, sondern das o.g. Werk im Auftrage des Bistums, das übrigens die folgenden Untertitel trägt:

„Ihr Leben – Ihre Seligsprechung – Ihre Ausstrahlung“ 


Und ich notiere für die niemals endende Tour des Tours (Tour der Türme): Dülmen. Heilig-Kreuz-Kirche. Gedenkstätte.

Weitere Links (bei Klick! öffnet sich ein neues Fenster):

Abendgymnasium Münster

Westfälische Reihe

Emmerick-Bund e.V. Dülmen

Dialog-Versand

Beitragsbild courtesy of Rock’n’Klick:

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