„Mafuuk“ und die wundersame Geschichte der zwei Meldehörner

Im Juli 2016 sind die Turmstubenbücher noch im Urlaub – dafür gibt es hier eine gleichermaßen wundersame wie wahre Geschichte:

Leonhard Jansen, seines Zeichens Brandmelder der Freiwilligen Feuerwehr Klinkum, rief die Löschmannschaften mithilfe eines Meldehorns zu den Einsätzen. Wir befinden uns zu Beginn dieser Geschichte am Anfang des 20. Jahrhunderts. Es gab sogar zwei Meldehörner, eines war trichterförmig, das andere gewunden wie ein amerikanisches Bugle. Diese Hörner waren so laut, dass sie sogar moderne Vuvuzelas mit Leichtigkeit rückwärts an die Wand tuten könnten. Und das machte durchaus Sinn: Der Ortsteil Klinkum, gelegen in der Mittelstadt Wegberg (Kreis Heinsberg, NRW), war und ist sehr langgezogen, und wollte man die Kollegen zum Löschen herbeituten, musste das Signal deutlich hörbar im ganzen Ort erklingen. Der Brandmelder Leonhard Jansen bekam den lautmalerischen Spitznamen „Mafuuk“ verpasst – exakt so klang nämlich sein Horn.

Feuermelder Klinkum

Leonhard Jansen – Feuermelder 1902-1939 in 41844 Wegberg OT Klinkum

Nach ihm übernahm sein Schwiegersohn Wilhelm das Amt des Brandmelders, stieß im wörtlichen Sinne ins selbe Horn, und natürlich wurde auch er „Mafuuk“ genannt. Danach wollte es das Schicksal, dass die Nutzung der Hörner aus der Mode kam, eines war völlig vergessen, dann im Jahre 1952 stark deformiert wieder aufgetaucht, mit viel Einsatz liebevoll restauriert und etwa 100 Jahre nach seiner aktiven Zeit an den Urenkel des ersten „Mafuuk“ zurückgegeben worden.

Und das zweite, gewundene Horn? Dieses befindet sich heute immer noch im Familienbesitz – und wird sogar hin und wieder benutzt!

Feuermeldehorn aus Klinkum

Feuermeldehorn aus Klinkum

Zur Zeit der Vorbereitung für die Kirmes fing es einmal ganz gewaltig an zu meimeln. Man unterbrach das Basteln am Hausschmuck und verabredete, das Horn zu blasen, sobald der Regen aufhörte, damit sich alle wieder einfinden konnten zum Weiterbasteln. Und so geschah es – das Signal tönte laut durch den Ort, alle trafen sich wieder und die Vorbereitungen konnten weitergehen.

Wie komme ausgerechnet ich nun aber zu dieser Geschichte?

An dieser Stelle wage ich, meine These von Münster als DEM Knotenpunkt von Menschen, Begegnung und Geschichtsschreibung zu wiederholen:

Als ich eines Tages den Prinzipalmarkt entlangradelte, hielt ich an, um einen befreundeten Stadtführer zu grüßen. In seiner Gruppe befanden sich als Gäste unter anderem das Ehepaar Angelika und Herbert B., die mich gleich als Türmerin vorgestellt bekamen und daraufhin erwähnten, in ihrer Familienhistorie gebe es ebenfalls eine interessante Geschichte mit Horn. Ich biss an, wollte mehr wissen – und wie versprochen schickten mir die beiden die oben stehenden Begebenheiten samt Fotos des Vorfahren und des Horns, sowie einen Presseartikel über die Wiederkehr des einen Hornes nach 100 Jahren nach Klinkum – den hatte der Stadtarchivar von Wegberg aufgetan, herzlichen Dank an alle Beteiligten für das Teilen dieser wundersamen, schönen Geschichte und herzliche Grüße nach Klinkum, Wegberg, Heinsberg, Nordrhein-Westfalen!

Siehe auch: Rheinische Post (Erkelenzer Zeitung) vom 26. Februar 2004: „Meldehorn fand den Weg zurück nach Klinkum“

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