Ich will dir folgen, wohin Du auch gehst.

Ich will dir folgen, wohin Du auch gehst“ (Lukas 9,57) – das ist das Leitwort zur Großen Prozession am Sonntag, 3. Juli 2016. Auf der Homepage des St. Paulus Doms heißt es:

„Um 10.30 Uhr ist Statio in der Stadt- und Marktkirche St. Lamberti, anschließend formiert sich die Prozession. Um 11.30 Uhr feiert Bischof Felix das Pontifikalamt im Dom. (…)
Das hoch verehrte, im Dom aufbewahrte, so genannte „Pestkreuz“ wird der Prozession vorangetragen.“

Für mich als Türmerin ist diese Große Prozession ein besonders interessantes Phänomen, weil sie zurückgeht auf die große Brandkatastrophe 1383, bei der erstmalig auch die Türmer von St. Lamberti urkundlich erwähnt worden sind. Im Vorjahr starben die meisten Einwohner Münster bereits durch die Pest, und als dann ungefähr 400 Häuser in Flammen aufgingen, hatten sicherlich nicht nur die Türmer Angst um ihr Leben. Damals musste die Rats- und Brandglocke pausenlos geschlagen werden, bis das Feuer unter Kontrolle war – eine körperliche und nervliche Höchstleistung im Angesicht der Katastrophe.

Nach dem Brand fassten Bürgerschaft und Geistlichkeit Münsters gemeinsam den Entschluss, von nun an eine Buß- und Bittprozession zu halten.

Bei dieser und nachfolgenden Prozessionen in der Frühen Neuzeit kann es auch sein, dass Türmer als Musikanten (die sie manches Mal auch gleichzeitig waren) eingesetzt worden sind. Denkbar ist auch, dass Türmer wie auch Sakristane mithalfen, die riesige Menschenmenge bei der Großen Prozession durch Fahnensignale auf den Kirchtürmen zu dirigieren – wann ist wo Statio, wann geht es weiter; das bekam man in der Menge ohne Dirigat nicht unbedingt mit.

Henning Stoffers - Archiv: Prozession ca. 1933/34

Foto: Aus dem Privat-Archiv von Henning Stoffers (www.sto-ms.de), ca. 1933/34, während dieser Zeit gingen zunächst noch Nationalsozialisten mit

Alleine die Geschichte der Großen Prozession im münsterschen Wandel der Zeit – Kulturkampf, Nationalsozialismus, Moderne – kann ganze Regalreihen an dicken Büchern füllen – Nachforschen und Weiter-Lesen ist absolut empfehlenswert!

Ich finde es bemerkenswert, dass in Münster auch heute noch an die Katastrophen gedacht wird, die sich vor langer Zeit ereignet haben, und dass die Tradition der Prozession jedes Jahr gepflegt wird, mit Musik, mit Liedern, mit Innehalten, Fürbitten und vor allem als Ausdruck von Geschichtsbewusstsein und Glauben.

So ist eine Tradition in Münster lebendig, die vor hunderten von Jahren als gemeinsame Entscheidung von Bürgerschaft und Geistlichkeit und als heiliges Gelöbnis entstanden ist und alle Zeiten überdauert hat – bis heute!

Hut ab!

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