Turmstuben-Bücher November 2015

In den Regalen und auf dem Lesetisch der Stube hoch oben auf St. Lambertis Turm liegen im November zur genaueren Betrachtung diese Werke:

  1. Heimat Dortmund. Stadtgeschichte in Bildern und Berichten. Hoch hinaus! Turmgeschichten aus Dortmund und UmgebungThemenheft 1/2013. Zeitschrift des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark e.V. in Verbindung mit dem Stadtarchiv Dortmund.

  2. Münsters beste Seiten – das Stadtlexikon. Dr. Lisa Brößkamp. münstermitte-medienverlag, Münster 2015

  3. Widerrufen kann ich nicht. Die Lebensgeschichte des Martin Luther. Arnulf Zitelmann. Beltz&Gelberg, Weinheim 2013 (7)

Turmgeschichten

In den Turmgeschichten aus Dortmund und Umgebung“ stehen verschiedene Artikel, zum Beispiel Christiane Althoffs „Der Steinerne Turm. Teil eines fast vergessenen mittelalterlichen ‚Frühwarnsystems‘„; Althoff hat zum Thema der mittelalterlichen Stadtbefestigung Dortmunds einige archäologische Erkenntnisse publiziert. Der Adlerturm (den sie unter dem Titel „Eine Gesellschaft braucht Symbole“ auch in diesem Heft beschreibt) ist ein Beispiel des Umgangs mit alten Bausubstanzen und Neugestaltung auf deren Basis: 1992 ist dieser Wehrturm – Teil der alten Stadtmauer – rekonstruiert wiederaufgebaut worden, und zwar auf Pfeilern, um die noch vorhandenen Reste aus dem 13./14. Jahrhundert zu schonen.

Auch in Münster kann man den Verlauf der alten Stadtbefestigung übrigens nachvollziehen: Sie folgte in etwa dem Verlauf der heutigen Promenade, Zwinger (Führungen: April bis Oktober) und Buddenturm sind erhalten und im Laufe der Jahre mehrfach umgenutzt worden. Im Stadtmuseum kann man sich zu Münsters Wehranlage sehr gut informieren, es gibt auch tolle Modelle, die alle Wehrtürme und die Stadtmauer zeigen.

Viele typische Türme rund um Dortmund sind in diesem Heft genannt: Schachtgerüste, Fördertürme, der Fernsehturm, Bismarcktürme, Vincketurm, Linderhorster Kirchturm… Eine schöne Sammlung!


Münsterlexikon

Mit dem neuen lexikalischen Band „Münsters beste Seiten“ ist der münstermitte medienverlag seinem selbst gewählten Anspruch, „die schönsten Seiten Münsters und des Münsterlandes in Wort und Bild“ (Zitat der Homepage) zu zeigen, sehr gerecht geworden. Das schwere und doch handliche Werk ist klassisch alphabetisch aufgebaut (unter „T“ findet man die Türmerin von Münster), und es findet sich zu jedem Eintrag auch ein großes Foto, das einerseits die Beschreibung visualisiert, andererseits neugierig macht, selbst hinzugehen/hinzufahren und zu schauen, und vor Allem keinen Zweifel lässt: Münster ist wirklich wunderschön! (Ich gebe zu: Natürlich ist die Einschätzung an dieser Stelle wie immer höchst subjektiv gefärbt 🙂 )


Lutherbiographie

Arnulf Zitelmanns „Lebensgeschichte des Martin Luther“ wird als Jugendbuch geführt, das ist auch die Expertise des 1929 geborenen Autors, der viel über theologisch bedeutsame Menschen schreibt. Aber auch für „Einsteiger“ in Sachen Reformation und Co. ist dieses Buch empfohlen worden:

„Zitelmanns Biografie eignet sich vor allem deswegen für eine erste Beschäftigung mit der Reformation, weil sie klug strukturiert die Verknüpfung von Glaubensfragen und Machtspielen darstellt, ohne durch allzu viele Namen und Zahlen zu verwirren.“ (Eselsohr, Fachzeitschrift für Kinder- und Jugendmedien).

Luther und der Nachtwächter

In der Türmerstube steht der LEGO-Luther und ein lieber Bekannter hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es ja einen ganz aktuellen deutlichen Turmbezug bei Luther gibt: Das Turmerlebnis!

Im Brief des Apostels Paulus an die Römer entdeckt Luther ein gütiges Gottesbild, das sich deutlich unterscheidet vom bisherigen Verständnis des strafenden Gottes ohne Mitleid:

„Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche aus dem Glauben kommt und zum Glauben führt; wie geschrieben steht: Der Gerechte wird aus dem Glauben leben.“

Er erkennt, dass christliche Erlösung allein vom Glauben abhängt (sola fide), dass sie nicht Resultat menschlicher Taten, sondern allein der Gnade Gottes ist (sola gratia), wie im Alten Testament versprochen und im Neuen Testament erfüllt (sola scriptura) – Rechtfertigungslehre.

Diese für alles Weitere bahnbrechende Erkenntnis hatte Luther, so will es die Legende, in der Studierstube des Wittenberger Klosterturms um das Jahr 1515 herum – vor ungefähr 500 Jahren!


In diesem Sinne: Ich wünsche jedem sein Turmzimmer zum Lesen, immer eine flotte Idee und allseits einen guten Überblick 🙂

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