Hoher Besuch, Teil II

Dies ist Teil II der Serie „Hoher Besuch – Türmer zu Gast in Münster“.
Hier geht’s zu Teil I mit dem Hamburger Türmer Josef Thöne vom „Michel“: KLICK!
In Teil II geht es um einen von insgesamt 5 Türmern aus Nördlingen – Wilfried Rangette war im August 2014 zu Besuch in Münster und auf dem St. Lambertikirchturm.
Nördlingen und Münster

Wilfried Rangette und die Türmerin. Foto: Susanne Mertner

Warum gibt es in Nördlingen 5 Türmer?
Zwei von ihnen sind Haupt-Türmer, die anderen (auch Wilfried Rangette) sind Neben-Türmer mit einem anderen Beruf als Haupttätigkeit. Der Turm ist von morgens bis abends geöffnet und kann besichtigt werden. Die Türmer haben also neben ihrer Wachtätigkeit noch andere Pflichten. Auch die aktuelle Wetterlage haben sie immer im Blick, wer mit seinem Flugzeug in Nördlingen landen möchte, bekam bis Januar 2014 beim Wetteramt die Daten, die von den Türmern gemeldet wurden – leider wurde diese zusätzliche Türmertätigkeit „eingespart“.
Wo ist Nördlingen?
In Bayern, im Regierungsbezirk Schwaben (eine ganz wundervolle Mundart wird dort gepflegt!), im Landkreis Donau-Ries.
Was macht die Türmer-Tätigkeit in Nördlingen aus?
Die Wirkstätte der Nördlinger Türmer ist die spät-gotische evangelisch-lutherische Hallenkirche St. Georg aus dem 15./16. Jahrhundert – und das Wahrzeichen der Stadt, der Turm namens „Daniel“.
Auch dieser Turm war und ist – genau wie in Münster der Lambertikirchturm – prädestiniert für die Wacht und den Blick auf Feinde und Feuer.
Auch die Nördlinger Türmer sind Angestellte der Stadt.
Auch in Nördlingen muss der diensthabende Türmer jede halbe Stunde etwas Besonderes, weithin Hörbares tun (zwischen 22:00 und 24:00 Uhr).
Die Gemeinsamkeiten speziell bei Wilfried Rangette und der Türmerin von Münster gehen sogar noch weiter: Beide spielen E-Bass und lieben den Blues!
Nun aber zu den Unterschieden der Türmerei:
In Nördlingen ist der „Daniel“ auch für Touristen und andere interessierte Menschen von fern und nah begehbar und zu besichtigen.
Was in Münster das Tuten, ist in Nördlingen das Rufen!
Und zwar: „So, G’sell, so!“ (Video)
Was hat es nun aber mit diesem seltsamen Ausruf auf sich?
Es gibt, wie bei allen historischen Legenden und Sagen, also mündlich überlieferten Geschichten, mehrere mögliche „wahre Kerne“ – in der Augsburger Allgemeinen äußerte sich zum Beispiel der Stadtarchivar über die sogenannte Sau-Legende von Nördlingen.
Die Geschichte will es, dass die Stadt heimlich eingenommen und belagert werden sollte und zu diesem Zweck der Torwächter an der Stadtmauer bestochen worden war, das Tor nicht ganz zu verschließen. Nun war aber ein Schwein ausgebüxt und trieb sich an eben jenem Tor herum – das fiel natürlich auf, auch das offene Tor wurde bei der Gelegenheit bemerkt,  und hier scheiden sich die Geister und Erzählungen; entweder das Tier oder der Torwächter wurden lautstark angerufen: „So, G’sell, so!“, und die Türmer erinnern noch heute daran – einem Schwein verdankt Nördlingen es also anscheinend, dass die feindliche Übernahme vereitelt wurde! Gibt es auch keine wissenschaftlich greifbaren Aufzeichnungen über einen geplanten Überfall auf die Stadt, so ist diese Geschichte doch jahrhundertelang mündlich tradiert und fest im kollektiven Gedächtnis verankert; auch eine Schweine-Skulptur steht heute an eben jenem Tor – die Stadtmauer ist übrigens vollständig begehbar, das ist einzigartig in Deutschland.
Der „Daniel“ ist über 90m hoch, zur Türmerstube führen laut Wikipedia 350 Stufen – einer, der es aber besser und detaillierter wissen muss (Wilfried Rangette) zählt 332 Stufen zur Türmerstube und noch mal 18 Stufen weiter zum „Kranz“, der Aussichtsplattform.
Für mich persönlich das Interessanteste: Seit einigen Jahren lebt eine Katze – eine dreifarbige Glückskatze – auf dem Turm. Sie ist irgendwann aufgetaucht und nicht mehr gegangen. Mittlerweile bekommt sie ihr eigenes Gehalt von der Stadt, da sie die sinnvolle Aufgabe des Tauben-Vertreibens mit viel Geschick ausübt, außerdem ist sie natürlich Publikumsmagnet und beliebtes Fotomotiv.
Turmkatze NÖ

Glückskatze Wendelstein, Quelle: http://www.noerdlingen.de

Sie trägt den kleidsamen Namen Wendelstein, da der Turm zu Beginn so genannt worden ist, bevor sich „Daniel“ (nach der Luther-Bibelstelle Daniel 2:48) durchgesetzt hat.
Ich freue mich schon sehr auf meine Reise nach Nördlingen zu den Kollegen samt Katze auf dem Daniel; das Treffen in Münster war äußerst sympathisch und schön – was aber (außer der längst fälligen Türmer-Vernetzung) hat den Türmer Wilfried Rangette – nicht zum ersten Mal!!! – ins weit entfernte Münster verschlagen?
Nun, auch hier werde ich in meiner These, Münster sei der Nabel der Welt und sogar die Sonne drehe sich um die St. Lambertikirche, wieder einmal bestätigt, denn: Türmer Wilfried Rangette’s Frau Susanne ist gebürtige Münsteranerin und besucht hier ihre Mutter! Tatsächlich! Sachen gibt’s… 🙂
Zwei Türmer

So, G’sell, tuuuuut! Foto: Susanne Mertner

 

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Ein Gedanke zu “Hoher Besuch, Teil II

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